Die Gewinner und Verlierer der aktuellen Wohnungspolitik

Wie die Deutsche Bundesbank heute berichtet, ist das private Baufinanzierungsvolumen in Deutschland im September 2017 mit 17,4 Mrd. Euro auf den niedrigsten Wert seit Februar 2015 gefallen. Damit dreht der Gesamtmarkt 2017 von +1 Prozent Ende August auf -1% im September.

Wer jetzt noch behauptet, in Deutschland gebe es eine spekulative Übertreibung der Immobilienpreise verkennt, dass dies einfach nur eine ökonomische Realität ist. Wenn – wie nun seit Jahren – zu wenige Wohnungen für die stetig wachsende Nachfrage gebaut werden, steigen nun einmal die Preise. Immer mehr Familien müssen mit weniger Quadratmetern bzw. Zimmern auskommen. Das ist keine Spekulation sondern Markt. Und wer glaubt, dass sich hier keine Nachfrage aufstaut, besuche mal Familien mit 2 Kindern in einer 3-Zimmer-Wohnung.

Und es ist auch keine Preisblase, die – weil spekulativ – irgendwann einmal plötzlich platzt. Wenn überhaupt, könnte es nur durch ein nachhaltiges Überangebot an Wohnraum und damit massivem Neubau irgendwann einmal zu einer Umkehr des Preistrends kommen. Das haben wir in Deutschland aber bisher nur 1x in unserer Geschichte geschafft – in der Ausnahmesituation Wiedervereinigung! Mit dem Herumdoktern an Symptomen (Stichwort Mietpreisbremse 2.0) ändert man die ökonimische Realität am Wohnungsmarkt nichts. Man steigert nur den Druck im Kessel und damit den Preisauftrieb in bestimmten Segmenten.

Für alle Wähler, hier ein Überblick über Gewinner und Verlierer, so lange die Politik nichts unternimmt, um die enormen Hürden für den Wohnungsbau abzubauen.

Beziehung
zur
Immobilie
Familien-
planung
Bewohner
Raum-
reserve
MietpreisHandlungsempfehlungErgebnis
Eigenutzerbeendet-Nichts tunGewinner!
Eigenutzeroffenja-Nichts tunGewinner!
Eigenutzeroffennein-„Tausch“ bzw. Upgrade zu hohen Transaktionskosten und DifferenzpreisenVerlierer
MieterbeendetfestBedrohung: Eigentümer veräußert an zukünftigen Eigennutzer (Eigenbedarfskündigung) aufgrund steigender Verkaufspreise und damit sinkender RenditeVerlierer!
Mieterbeendetvariabelmit stetig steigernder Miete planenVerlierer
MieteroffenjafestBedrohung: Eigentümer veräußert an zukünftigen Eigennutzer (Eigenbedarfskündigung) aufgrund steigender Verkaufspreise und damit sinkender RenditeVerlierer!
Mieteroffenjavariabelmit stetig steigernder Miete planenVerlierer
Mieteroffennein-Mit drastischer Mietsteigerung bei Anmietung der passenden Wohnung rechnenGroßer
Verlierer!
VermieterbeendetfestVeräußerung an Eigennutzer mit Möglichkeit der EigenbedarfskündigungGewinner!
VermieterbeendetvariabelMiete erhöhen oder Veräußerung an Eigennutzer/KapitalanlegerGewinner!
VermieteroffenjafestVeräußerung an Eigennutzer mit Möglichkeit der EigenbedarfskündigungGewinner!
VermieteroffenjavariabelErhöhung der Miete oder Veräußerung an Eigennutzer / KapitalanlegerGewinner!
Vermieteroffennein-Deutliche Mieterhöhung bei Neuvermietung oder Veräußerung an einen EigennutzerHaupt-
gewinner!

 

Und hier geht es zu wirksamen Ideen für die Milderung der Wohnungsnot!

Jamaika spricht über den Wohnungsbau – endlich

Nein. Doch. Staun. Nun ist der Wohnungsbau doch schon in den Koalitionsgesprächen angekommen. Bin wirklich gespannt … und hoffnungsfroh! Falls einer aus der Koalitionsrunde hier mitliest … ein paar Tipps von mir!

Asoziale Wohnungsbauverhinderer diesmal am Thälmannpark

Reale Wohnungsbaupolitik in Berlin: Die nächsten 600 Wohnungen, die in Berlin nicht gebaut werden. Ganz tolle Leistung unserer rot-rot-grünen Bezirks- und Landesregierung.

Nur zum Verständnis, es geht hier nicht um 600 fiktive Familien mit 2.000 fiktiven Mitgliedern, für die keine passende Wohnung gebaut wird. Es geht um 2.000 reale Familien, die weiterhin beengt wohnen müssen, weil je genau 1 Raum fehlt. Denn in die nun nicht gebauten Wohnungen wären 600 Familien eingezogen, die 600 kleinere Wohnungen hier in Berlin freigemacht hätten. In diese 600 kleineren Wohnungen wären erneut Familien eingezogen, für die diese kleineren Wohnungen gepasst hätten. Und so weiter und so fort. Am Ende wären 2.000 Familien glücklich und entspannt in neue Wohnungen eingezogen.

Also liebe 800 Wartenden in den Schlangen vor den Berliner Mietwohnungen, bedankt Euch beim rot-rot-grünen Senat! Der hat euch als Geiseln genommen, um weiterhin gegen böse Miethaie Stimmung machen zu können. Zynismus in Perfektion!

Und wer sich für das letzte Meisterwerk der asozialen Wohnungsbauverhinderer interessiert – hier geht es zum Dragoner-Areal.

Wohnungsbaugenehmigungen brechen ein?

Na da übertreibt das Handelsblatt jetzt aber ein klein wenig. Schade, dass man immer öfter selbst nachschauen muss, wenn man eine Veröffentlichung eines „Qualitätsmediums“ liest.

Die nicht verlinkte Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes zur Entwicklung im 1. Halbjahr gibt glücklicherweise detaillierte Zahlen an. Was deutlich zurückgegangen ist, sind Baugenehmigungen für Wohnheime (-32%). Überraschung, die Flüchtlingskrise 2015/2016 ist bewältigt und niemand will mehr zusätzliche Wohnheime planen.

Die Baugenehmigungen für wirklichen Wohnungsbau gehen zwar auch leicht zurück, aber nur um 2,5% bzw. von 142.084 auf 138.486 genehmigten Wohnungen. Die Genehmigungen von Mehrfamilienhäusern, welche typischerweise in den von der Wohnungsnot betroffenen Ballungszentren errichtet werden, steigt um 1,8% auf 82.088 Wohnungen (nach 80.672).

Insofern decken die Zahlen die reißerische Überschrift nicht! Was bleibt, und hinreichend im Artikel thematisiert wird, ist das dieses leichte Wachstum für die Ballungszentren nicht ausreicht. Lokal-, Länder- und Bundespolitiker müssen endlich beginnen, die historische Chance für Deutschland zu ergreifen. Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer, sind da nur ein kleines populistisches Mittelchen. Wirksam wären andere Maßnahmen!

 

Schnellgepresstes Wahlöl für den Immobilienmarkt

Wir stehen vor einer Bundestageswahl und plötzlich wird unseren Bundespolitikern klar, dass sie die WohnungsBAUpolitik in der letzten Legislaturperiode völlig vergessen haben.

Das Ergebnis sind steigende Wohnungspreise und Mieten, wie die Bundesregierung jetzt feststellt. Die Schuld beim „internationalen Kapital“ zu suchen, ist zynisch.

Der Preis für Wohnraum in deutschen (und anderen mitteleuropäischen Ballungszentren) steigt, weil Zentraleuropa boomt, aus dem Osten und dem Süden Europas ziehen junge Menschen – Arbeitskräfte – in die Zentren des Zentrums. Gesellschaftspolitisch hatten wir uns aber über Jahrzehnte bereits auf die Vergreisung und Schrumpfung unserer Bevölkerung eingestellt. Rückbau, Verdichtung des Siedlungsgebiets und energetische Sanierung war alles, was wohnungs“BAU“politisch auf der Agenda stand.

Was wir nun bereits seit einem halben Jahrzehnt brauchen, ist der Erkenntnisgewinn, dass sich etwas geändert hat. Weil Deutschland und andere Länder im Zentrum Europas in anderen Politikfeldern (Finanzen, Arbeitsmarkt …) das Richtige getan haben, schrumpfen wir nicht mehr, wir wachsen. Wir brauchen massiven WohungsneuBAU, um den Menschen, denen wir hier durch richtiges, weitsichtiges Handeln eine Perspektive geschaffen haben, auch bezahlbaren Wohnraum zu geben.

Die makroökonomischen Rahmenbedingungen für mehr WohnungsBAU könnten nicht besser sein. Die Preise steigen und die Kapitalkosten für das extrem langlebige Wirtschaftsgut Wohnraum sind niedrig. Allein was fehlt, ist ein operative Anpassung in der Beschaffung von Ressourcen. Es fehlt an Bauland und an Baugenehmigungen!

Wenn CDU/CSU jetzt vor der Wahl mehr Steuergeld für den WohnungsBAU versprechen, hilft dies bestimmt, ein paar Stimmen in den betroffenen Bevölkerungsschichten zu gewinnen. Dem WohnungsBAU wird es nicht helfen! Es ist Öl auf die Mühlen des Preisanstiegs – schnellgepresstes Wahlöl.

Die Kollegen Berufspolitiker, Anwälte und Lehrer haben leider immer noch nicht verstanden, dass es NICHT an GELD für den WohnungsBAU mangelt. Mehr Geld in den WohnungsBAU pumpen, führt nur zu schneller steigenden Preisen (ein echtes Wahlgeschenk also, an die klassische Zielgruppe von CDU/CSU, dem schnöden Immobiliensparer oder Erben der Mittel- und Oberschicht). Wenn nicht endlich wirksame Maßnahmen zur Ausweitung des WohnungsNEUBAUs ergriffen werden, wird es für unseren schönen Boom in den Zentren Mitteleuropas irgendwann eng. Denn was hilft der tolle neue Job, wenn man keinen Wohnraum bekommt bzw. sich diesen nur bei stark steigenden Gehältern leisten kann? Und Einkommen, was in teuren Wohnraum fließt, steht nicht mehr für den lokalen, privaten Konsum zur Verfügung. Steigende Löhne und weniger Konsum, die Unternehmer in Zentraleuropa (eigentlich auch eine Zielgruppe von CDU/CSU) wünschen sich dies nicht – endlich mehr WohnungsBAU schon.

Noch nie konnten sich so unterschiedliche soziale Schichten in Deutschland so einig sein! Diesen gesellschaftlichen Dialog zu vermittelt, wäre doch genau die Aufgabe der Politik. Dafür wählen und bezahlen wir die Berufspolitiker, Anwälte und Lehrer im Bundestag doch eigentlich 😉

 

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