Ist schon bitter, sein ehemaliges Heim so zu sehen 🙁 Die Bilder von Brand ware schon hart … aber gut … es hätte wirklich schlimmer kommen können, wenn wir noch drin gewohnt hätten.

PS: Oben rechts sieht man gerade den Hausgeist entweichen. Ja … dieses Haus hatte eine Seele!

Lübeck – 233 Jahre stand das Haus in Wulfsdorf, jetzt ist es zerstört. Die Polizei schätzt den Schaden auf knapp 800 000 Euro. Noch gestern Vormittag mussten Glutnester gelöscht werden. 

Die Mauern sind eingefallen, das Reetdach verbrannt, schwarzes Holz ist zu sehen. Ein beißender Geruch liegt in der Luft. Die Inschrift auf dem Balken über der Eingangstür allerdings hat der Feuersbrunst getrotzt. 1778 wurde das Reetdachhaus in Wulfsdorf erbaut, 233 Jahre später ist von dem unter dem Namen Malskat-Kate bekannten ehemals schmucken Reetdachhaus in der Straße Blasfeld nicht mehr viel übrig geblieben. Nach einem Blitzeinschlag brannte es am Dienstagabend nieder.

„Das ist sehr schade“, sagt Nachbarin Sabine Skupin. „Da steht das Haus so lange, und nach drei Minuten ist es nicht mehr zu retten.“ Die 43-jährige Wulfsdorferin hatte das Gewitter am Dienstagabend vor ihrem Haus beobachtet. Tiefschwarz verfärbte sich der Himmel gegen 17.40 Uhr – dann ging das gewaltige Donnern und Blitzen auch schon los. Eine über 20 Meter hohe Weide am Dorfteich wurde durch einen Blitz bis zum Boden gespalten, der Bereich Stadtgrün sägte sie gestern komplett ab.

Kurze Zeit später schlug offenbar ein weiterer Blitz in Wulfsdorf ein – dieses Mal erwischte es die historische Kate. Der Notruf lief um 17.51 Uhr in der Leitstelle ein, die Feuerwehr rückte mit 80 Einsatzkräften an. Sie kämpften bis in die späte Nacht gegen die Flammen – vergeblich. Auch gestern Morgen musste die Feuerwehr noch Brandbekämpfung betreiben. „Bei der Kontrolle sind zwei weitere Glutnester gelöscht worden“, so Einsatzleiter Stefan Richter. Der Schaden des völlig zerstörten Reetdachhauses beläuft sich nach Polizeiangaben auf etwa 800 000 Euro.

Der Blitzeinschlag war nicht zu überhören in Wulfsdorf. „Das war sehr laut“, erinnert sich Nachbar Alexander Nevermann an den Knall. Der 18-Jährige hatte von dem Brand zunächst nichts mitbekommen. Erst als er die Feuerwehr im Garten der Kate sah, wurde ihm klar: Das Krachen hatte Konsequenzen. „Die Spannung war direkt danach noch in der Luft sichtbar“, sagt Skupin. Sie kannte noch den ehemaligen Bewohner Lothar Malskat, der als Kunstfälscher zu zweifelhaften Ruhm gekommen war. „Viele Wulfsdorfer identifizieren sich mit der Malskat-Kate“, sagt sie. „Einige haben auch Bilder von Malskat geschenkt bekommen.“ Die verwunschene Kate, die von der Straße aus nicht zu sehen ist, habe die Fantasie angeregt.

Seit zwei Jahren stand das schmucke Reetdachhaus leer. Vor dem Haus steht noch das „Zu Verkaufen“-Schild. Besitzer der Kate ist Max Schön. Der Lübecker Unternehmer ist Vorsitzender des deutschen Club of Rome – einer Gesellschaft, die Lösungen für die großen Probleme der Welt entwickelt. Er engagiert sich auch für das Wüstenstrom-Projekt Desertec. Ob er das Reetdachhaus wieder aufbauen möchte, ist nicht bekannt.

Doch wieso wurde gerade die Malskat-Kate getroffen? In der Nachbarschaft stehen weitere Häuser und höhere Bäume. „Es ist ein Trugschluss, dass sich Blitze immer den höchsten Punkt suchen“, sagt Professor Dr. Christian Hübner, Direktor des Instituts für Physik an der Universität Lübeck. Tückisch bei Reetdachhäusern seien die vielen abstehenden Strohspitzen. Kombiniert mit der leichten Entzündbarkeit entsteht so eine gefährliche Mischung.

Alexander Nevermann, der nebenan in einem alten Fachwerkhaus mit Reetdach wohnt, sieht dem nächsten Gewitter nicht mit einem unguten Gefühl entgegen. „Ich habe keine Angst“, sagt der 18-Jährige. „Das passiert ja nicht so oft – und wenn, kann man ja noch rauslaufen.“ Für die kommenden Tage sind für Lübeck erneut Gewitter vorausgesagt.