Wie ein Mantra wiederholen linke und grüne Politiker und Aktivisten, dass die Ursache für die Wohnungsnot in Berlin und anderen deutschen Metropolen das „internationale Kapital“ ist.

Die These: Seit der Finanzkrise ist das internationale Kapital auf der Flucht/Suche nach mehr Rendite und hat sich gerade die deutschen Metropolen als Ziel ausgesucht. Und weil so viel internationales Kapital in die armen deutschen Immobilienmärkte fließt, steigen die Mieten und die Leute finden keine Wohnung mehr. Weil mit diesen ja nur noch spekuliert wird.

Selbst Marx und Engels drehen sich bei solch grobem Umfug im Grab um. Kapital bewohnt keine Wohnung (erhöht also nicht die Nachfrage nach Wohnraum) und Kapital vernichtet auch kein Wohnung (senkt also das Angebot auch nicht). Nur Familien – Menschen fragen Wohnraum nach. Und Wohnungen sind aus Steinen. Die verändern sich nicht durch den Eigentümer lokal oder international. Und sie werden auch nicht weniger, durch mehr Kapital. Sie verfallen vielleicht, wenn man langfristig kein „Kapital“ reinsteckt. Aber nicht umgekehrt!

Der fehlende Wohnraum geht zwingend auf zu viel Nachfrage (=Menschen) bei zu langsam steigendem Angebot (=Bau) zurück. Und das Angebot zu steigern, dabei hilft Kapital sogar. Wohnungen müssen nämlich gebaut werden. Das kostet Baustoffe und Arbeitskraft. Beides muss bezahlt werden. Das tut Kapital.

Kapital erhöht auch keine Mieten. Die Mieten steigen, weil für Mieter Alternativen im Markt fehlen, man also nicht einfach ausziehen bzw. umziehen kann, wenn der Eigentümer die Miete erhöht. Und er erhöht die Miete, weil andere Familien / Menschen ihm bereit sind mehr für die Wohnung als Miete zu zahlen. Weil sie alle – bei zu wenig Angebot – nach Wohnraum suchen. Es sind also die anderen Mieter, die die Mieten nach oben treiben. Der Wohnungseigentümer ist nur der zufällige Profiteur, von zu viel Nachfrage und zu wenig Bau in einer Metropole. Würden wir – wie nach der deutschen Wiedervereinigung in Ost-Berlin – zu viele Wohnungen bauen, dann fallen die Mieten. Weil sich die Eigentümer um die wenigen Mieter schlagen und die Eigentümer sich gegenseitig im Preis unterbieten. Hatten wir –  hat sehr gut funktioniert hier in Berlin. Können wir wieder haben. Wenn wir wollen.

Die wahre Ursache der Wohnungsnot mit folgendem Mietpreisanstieg war und ist die Unfähigkeit unserer Wohnungsbaupolitiker, die Auswirkungen der  Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU zu verstehen und angemessen auf die erwartbaren Migrationsströme in Europa vorbereitet zu sein. Wir hatten bis zum 1. Mai 2011, dem Tag der Umsetzung in Deutschland, fast 10 Jahre Zeit gehabt, um unsere Metropolen auf den Ansturm vorzubereiten. Wir haben diese Zeit verschlafen und seit 2011 passiert zu wenig, um durch realen Neubau von Wohnungen, der stetig wachsenden Nachfrage ein angemessenes Angebot gegenüberzustellen. Wer heute fordert, z.B. in Berlin für die nächsten 1 Mio. Menschen, die in den nächsten 25 Jahren aus dem Rest der EU zu uns kommen werden, die notwendigen Wohnungen zu bauen, wird nur müde belächelt.

Und gegen Migranten hetzt ja auch schon rechts. Passt nicht zu Links. Also muss das „Kapital“ herhalten – in schöner alter Tradition.

Linke und grüne Bürgermeister konzentrieren sich lieber auf massive Klientelpolitik zu Lasten der Gesamtbevölkerung. Sie doktorn unbeholfen an Symptomen herum (Mietpreisbremse, Bestellerprinzip, Milieuschutz, Berliner Modell …). Man zeigt Aktionismus. Und ein wenig freut man sich auch, dass das eigene Wählerpotenzial wächst. Mieter werden arm. Arm wählt Links. Und die Lüge vom Kapital, dass die Wohnungsnot ausgelöst hat, ist ein wichtiger Pfeiler des Fundamentes dieser Politik.

Was wir tuen könnten, um die Wohnungsnot zu beenden, liest Du hier.