Da kommt man ja mit dem Kommentieren nicht mehr hinterher. Und ich werde auch immer ungehaltener, über das Handeln unserer Politiker auf dem Wohnungsmarkt!

Jetzt hat das Finanzministerium eine neue Nebelkerze geworfen, um von der politisch gewollten Wohnungsnot in den Ballungszentren abzulenken. Handelsblatt und andere Medien berichten, dass es einen Gesetzesentwurf geben soll, der dem „verantwortungslosen Handeln der Banken bei der Wohnimmobilienkreditvergabe endlich ein Ende bereiten“ soll!

Die Angst vor einer Immobilienblase geht um?

Es ist selbstverständlich richtig, dass allein bereits durch eine extreme Preisentwicklung eine Immobilienblase entstehen kann (ich taufe diese hiermit auf „Immobilienpreisblase“). Steigen rein spekulativ (ohne eine realwirtschaftliche Ausweitung der Nachfrage) die Preise z.B. für Wohnimmobilien, würde das Risiko einer preislichen Spekulationsblase entstehen. So etwas passiert, wenn Marktteilnehmer allein aufgrund der Erwartung höherer Preise spekulativ in ein Anlageklasse investieren oder die Masse der Anleger irrtümlich mit einer zukünftigen Ausweitung der Nachfrage rechnet.

Es gibt keine Immobilienpreisblase!

Allein, gibt es weder diese extreme Preisentwicklung in Deutschland noch – und dies ist besonders wichtig – ist diese Preisentwicklung aktuell spekulativ! Es ist eine sich seit Jahren verstetigende Entwicklung! Immer mehr Menschen ziehen in deutsche Ballungszentren und weiten die Nachfrage noch Wohnraum in diesen Zentren aus. Dies ist keine Spekulation! Und dies ist auch keine kurzfristige bzw. reversible Entwicklung. Es ist Fakt das zum 31.12.2015 770.000 Wohnungen in deutschen Ballungszentren fehlten! Und jeden Tag werden es ein paar Hundert mehr.

Seit Jahren weisen Wissenschafter wie Prof. Just (hier sein Vortrag auf der Europace Konferenz von vor 4! Jahren und damit vor der erheblichen zusätzlichen Migration nach Deutschland) und die Wirtschaft auf diese Entwicklung hin. Zwischenzeitlich haben wir – einen real existierenden – dramatischen Wohnungsmangel! Dies bedeutet, die Anleger / Wohnimmobilienkäufer handeln rational, weil dieses knapp Gut „Wohnen“ täglich an praktischem Wert gewinnt! Und selbst wenn es in regionalen Teilmärkten temporär zu Fehlpreisungen kommt, eine volkswirtschaftliche Relevanz würde diese nicht haben. Es fehlt schlicht und ergreifend des Downside-Potenzial bei der moderaten Preisentwicklung in Deutschland in den letzten 20 Jahren.

Und erst recht gibt es keine Immobilienblase!

Würden wir aktuell einen Bauboom sehen, der bald mehr Wohnungen errichtet, als es Nachfrage gibt, dann würde die Gefahr einer echten Immobilienblase entstehen (wie 1637 bei den Tulpen in den Niederlanden). So etwas ist z.B. in Spanien passiert, wo in der Spitze fast 1.000.000 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt wurden (bei moderatem Wachstum der Nachfrage; und wo es nun Leerstand gibt). Allein, in Deutschland bauen wir noch immer zu wenig Wohnungen (in 2015: nur brutto 309.000!) um den Nachfragezuwachs zu kompensieren. Insofern sind wir von einer echten Immobilienblase ganz, ganz weit entfernt!

Dieser Wohnungsnotstand ist ein Politiknotstand!

Wer nicht rational agiert, sind bedauerlicherweise unsere Politiker! Den Preisanstieg auf den Immobilienmärktes können wir nur dämpfen, wenn wir der stetig wachsenden Nachfrage auch ein äquivalent wachsendes Angebot gegenüberstellen. Noch immer verzichtet die Politik aber auf sämtliche Maßnahmen zum Aktivierung des Wohnungsneubaues. Die Wohnungsnot wird billigend in Kauf genommen und sogar genutzt, um mit Nebelkerzen wie dieser (oder der „Mietpreisbremse“, dem „Bestellerprinzip“, der „WIKR“ … ) das Wahlvolk kurzfristig für sich zu begeistern. Unser Wohnungsmarkt ist zum Spielball populistisch agierender Politiker (zwischenzeitlich eine Tautologie!) geworden. Immobilienmärkte dürfen aber nicht mit dem Zyklus von Wahlperiode behandelt werden!

Und so werden die Wohnungspreise und die Mieten weiter steigen und immer mehr Menschen werden sich das Leben in den Ballungszentren durch den Verzicht auf anderen Luxus oder den Verlust von Lebenszeit (durch Pendeln) teuer erkaufen müssen! Besonders spüren werden diesen Schmerz die unteren und mittleren Einkommensschichten. Also die Mehrheit in unserer Demokratie, die sich leider durch das dumme, kurzfristige Handeln der Politiker blenden lässt!