Die Botschaft der Berliner Politik ist klar. Wir schützen die bestehenden Milieus vor der Verdrängung von Außen. Was für die Stammwähler im Kiez vermutlich wie ein gut gemeinter Vorsatz klingt, ist zutiefst reaktionär. Nichts darf sich ändern. Nichts darf „aufgewertet“ werden. Wer sich zur Zeit noch leisten kann, nach Berlin in zentrale Stadtbezirke zu gehen, ist nicht nur ein Fremder, er ist eine Bedrohung. Egal ob er aus Schwaben oder Spanien kommt.

So richtig deutlich wurde dies – wieder einmal – mit dem Feiern der Rückzugs von Google von seinen Plänen, in Berlin-Kreuzberg einen GoogleCampus zu eröffnen.

Wenn man sich kurz mal überlegt, welche Bevölkerungsgruppen Wohnraum in Berlin nachfragen, wird deutlich, gegen wen sich diese Politik von Linken und Grünen richtet:

  1. EU Migranten, die aufgrund der europäischen Integration aus wirtschaftlich schwachen Gebieten in Ost- & Südeuropa ins Zentrum strömen und hier gern in einer kosmopoliten Umgebung Deutschland und Deutsch kennenlernen wollen. Jährlich kommen ca. 500.000 von ihnen nach Deutschland, bzw. ca. 30.000 nach Berlin.
  2. Die GenerationY vom Land und aus den vielen Kleinstädten Deutschlands. Diese Generation der 20-40ig Jährigen, für die die ca. 30 deutschen Schwarmstädte eine enorme Anziehungskraft haben, will gern „mitten drin“ wohnen. Genau dort, wo R2G die „Milieus schützt“. Jährlich kommen etwa 10.000 nach Berlin, Tendenz leider fallen. Es spricht sich herum, dass Berlin nicht mehr so sexy, dafür aber reaktionär ist. Wer hier nicht geboren ist und wartet, bis die Wohnung der Eltern im Milieu frei wird, hat hier nichts zu suchen.
  3. Berliner Familien mit Nachwuchs und ohne Raumreserve in der eigenen Wohnung. Durch die Politik der Abriegelung weiter Teile Berlins und einer konsequenten Verhinderung von frei finanziertem Neubau, geht die Schere zwischen Bestands- und Neuvermietungsmieten in Berlin immer weiter auseinander. Die Folge, ein Umzug innerhalb Berlins, in einer Zeit, wo ein Einkommen temporär wegfällt und ein Kind mit ernährt werden muss, wird zum unrealistischen finanziellen Kraftakt. Man kann nur raus, an den Stadtrand ziehen, wenn man ein Kind in die Welt gesetzt hat, ohne vorher an das Kinderzimmer zu denken.

Was wir dringend brauchen, ist mehr Neubau! In jedem Kiez! Wir müssen die Bodenreserven mobilisieren und den Wohnungsbestand flexibilisieren. Ein breiter Strauß von Maßnahmen ist erforderlich, um Berlin wieder zu einer attraktiven, weltoffenen Stadt zu machen. Die reaktionären Linken & Grünen dürfen wir diese Stadt nicht weiter Abriegeln lassen!