black_sheepNach meiner ersten persönlichen Erfahrung mit schwarzen Schafen im Internet (siehe meine Lemoga Erfahrungen) kann ich hier als Zwischenergebnis mal eine paar erste Tipps für das Vorgehen machen. Wohl gemerkt … erst Tipps. Meine Erfahrungen sind noch „ongoing“, insofern ist dies erst einmal ein Zwischenstand:

Was bringt nichts?

  • Anwalt in Verbindung mit einer zivilrechtlichen Klage gegen das schwarze Schaf. Falls dieser überhaupt ermittelbar ist, wird er, vor Erlangen eines wirksamen, durchsetzbaren Titels die Eidesstattliche Versicherung ablegen. Neben dem Geld sich dann auch noch die Kosten für den Anwalt weg. Dauert am Ende viel zu lange.
  • Auf kommerziellen Bewertungsportalen negative Feedbacks hinterlassen. Leider sind diese Seiten (z.B. TrustPilot.com, später dazu mehr) so ängstlich vor Auseinandersetzungen mit mehr oder weniger aggressiven Seitenbetreibern, dass es gewöhnlich für das schwarze Schaf leicht ist, derartige negative Feedbacks reviewen, sperren, löschen zu lassen. Man investiert unnötig Zeit ohne das die Warnung für Dritte überhaupt einsehbar ist bzw. dauerhaft sichtbar bleibt.
  • Anrufen. Weil weder nachweisbar, noch belastbar, noch druckvoll.
  • Briefe schreiben. Eine juristisch wirksame Zustellung per (eingeschriebenem, persönlich übergebenem) Brief funktioniert meist aufgrund fehlender ladungsfähiger Anschrift ehe nicht und kostet nur unnötig Zeit und Geld).

Was bringt nicht viel?

  • Emails schreiben etc. Lediglich für die spätere Dokumentation sollte man das schwarze Schaf in Zahlungsverzug per Email setzen.
  • Anzeige bei der Polizei. Die lieben Behörden stellen zwar im Internet einen schnelle Weg für die Anzeige zur Verfügung. Aktivitäten von offizieller Seite sind danach aber wohl selten. Den Druck erhöht man damit aber schon und stellt dritten Mitgeschädigten auch eine offizielle Anlaufstelle zur Verfügung. Auch als Dokumentation der Sachlage gegenüber Zahlungsdienstleistern etc. ist es hilfreich.
    Oft werden die Verfahren von der zuständigen Staatsanwaltschaft aber nach Monaten wegen fehlendem öffentlichen Interesse eingestellt. Ich verfolge diesen Zweig aber noch weiter. In meinem konkreten Fall hätte ich aufgrund der über Jahre andauernden (bei mir versuchten) betrügerischen Tätigkeit mehrerer gemeinsam handelnder Personen wenig Verständnis für eine Einstellung.

Was funktioniert?

Vorweg, vermutlich ist nicht die einzelne Maßnahme wirksam, vielmehr muss man versuchen, das schwarze Schaf auf so vielen Ebenen wie möglich unter Druck zu setzen, ohne dabei natürlich selbst mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen.

  1. Den eigenen Erfahrungsbericht so schnell wie möglich online stellen. Dabei natürlich bei der Wahrheit bleiben. Hier hat sich auch meine eigene Webseite bewährt, da das schwarze Schaf hier nicht bei einem Dritten erreichen kann, dass der Beitrag gelöscht wird (wie bei kommerziellen Bewertungsportalen). Damit Google die Warnung findet, gehört dann aber noch etwas SEO dazu.
  2. Den eigenen Erfahrungsbericht in nicht kommerziellen, einschlägigen Internetforen veröffentlichen (hilft auch bei SEO). Andere Menschen werden gewarnt, das schwarze Schaf kommt unter Druck, Geschädigte können ihr Vorgehen abstimmen.
  3. Die eigene Bank informieren und unter Verweis auf den Betrugshergang mit der Rückabwicklung der Zahlung beauftragen (indirekter Druck auf zwischengeschaltete Zahlungsdienstleister, wenn der Betrug bereits bekannt sein kann (z.B. aus Internetforen)).
  4. Die beteiligten Zahlungsdienstleister (speziell der direkte „Partner“ des Betrügers, also seine Hausbank bei Girokontozahlung, Paypal, Fintechs etc.) informieren und – wenn irgendwie möglich – in die Haftung nehmen. Kontakt dort direkt zur Einheit für Betrugsprävention aufnehmen. Druck aufbauen, wenn durch Internetforen bekannt sein müsste, dass die geleistete Zahlungsabwicklung Beihilfe zum Betrug darstellt. Aber erst einmal freundlich bleiben. Gewöhnlich will keiner einem schwarzen Schaf in seiner Kundschaft wirklich helfen!

Der parallele Druck erhöht auf jeden Fall die Aufmerksamkeit des schwarzen Schafes. Wenn dieses eigentlich vor hatte, mit der gleichen Masche/Marke nach etwas länger aktiv zu sein, stört ihn dies erheblich. Um den Vorgang zu „schließen“ und sich „profitableren“ Aktivitäten zuwenden zu können, kann es für ihn dann einfacher sein, das Geld zurückzuzahlen. Und gleichzeitig tut man etwas Gutes für unsere (Internet)Gemeinschaft, den schwarzen Schafen das Handwerk so unangenehm wie möglich zu machen.