Vor vielen, vielen Jahren gab es in Berlin immer zu viele Möhren, so dass die Möhrenbauern Abends immer Möhren wegwerfen mussten. Im Wettbewerb verbesserten sie stetig ihre Möhrenproduktion. Manche spezialisierten sich auf besonders große Möhren, andere auf Bio-Möhren. Die Berliner Bevölkerung war das Überangebot an hochwertigen Möhren nach jedem Geschmack zu günstigen Preisen gewohnt. Es blieb mehr Geld für andere Sachen übrig und das war toll. Die Möhrenbauer waren auch ideenreich für ihre Überproduktion. Sie verkauften auch Möhren scheibchenweise oder als Möhrensalat ohne großen Aufpreis. Gerade bei Touristen waren diese Spezialangebot sehr beliebt. Und so wurde Berlin immer attraktiver.

Dies sprach sich herum und immer mehr Touristik-Unternehmen siedelten sich in der Stadt an, da nicht nur Touristen, sondern auch Mitarbeiter gern in Berlin wohnten, weil die hohe Qualität an günstigen, hochwertigen Möhren gerade europaweit immer bekannter wurde. Bereits ab 2010 kamen jährlich mehr als 40.000 Neubunnies nach Berlin.

Am Anfang war der Bevölkerungszuwachs auch kein Problem, die Möhrenbauern mussten Abends immer weniger Möhren wegwerfen, was alle freute. Doch irgendwann waren dann die besonders großen Möhren und die Bio-Möhren schon am Nachmittag ausverkauft. Die normalen Möhren blieben länger liegen und mussten zum Teil auch immer noch am Abend entsorgt werden. Um dies anzugleichen, erhöhten die Möhrenbauern für die besonders gefragten Möhrensorten die Preise. Und um das Jahr 2012 herum erreichte der Möhrenmarkt den perfekten Zustand, alle Arten von Möhren wurden tagsüber verkauft, nichts blieb übrig am Abend. Alle Berliner hatten ihre Möhren.

Doch Berlin war so attraktiv geworden für Menschen aus allen Teilen der EU (und Deutschlands), dass auch weiterhin Menschen nach Berlin strömten. Ab dem 1. Mai 2011 trat die Arbeitnehmer-Freizügigkeit auch in Deutschland in Kraft. So dass nun alle EU-Bürger auch in Berlin leben und arbeiten konnten. Und sie kamen nach Berlin. Und auch wenn die Bauern weiter die Preise für die am meisten gefragten Bio- und Großmöhren erhöhten, bereits am Nachmittag und teilweise bereits Mittags waren die entsprechenden Möhrensorten ausverkauft. Die Bürger von Berlin wurden ungehalten, über den Mangel an Möhren und über die steigenden Preise für Möhren. Und das hörten dann nach einigen Jahren, so um das Jahr 2016 herum, auch die Politiker von Berlin.

Fortsetzung: Wie die Berliner Politiker die Möhrenkrise verschlimmerten